Ein falscher Artikel im Paket fällt meist erst beim Kunden auf. Dann folgen Reklamation, Rücksendung, Ersatzlieferung und im schlechtesten Fall eine negative Bewertung. Häufig liegt die Ursache beim Kommissionieren: Es wurde nach Augenmaß gegriffen, und niemand hat geprüft, ob der Griff stimmt.
Ein Handscanner setzt genau an dieser Stelle an. Er ersetzt die Sichtprüfung durch eine Prüfung gegen den Auftrag.
Kurz gesagt: Ein Handscanner verhindert Pickfehler, indem jeder entnommene Artikel per Barcode gegen die offene Auftragsposition geprüft wird. Passt der Artikel nicht oder ist es ein Stück zu viel, meldet das Gerät den Fehler sofort per Ton oder Vibration. Mit einer zusätzlichen Packkontrolle per Scan lässt sich das Paket erst abschließen, wenn alle Positionen stimmen, sodass der falsche Artikel das Lager gar nicht erst verlässt.
Warum entstehen Pickfehler überhaupt?
Pickfehler sind selten Nachlässigkeit. Sie entstehen dort, wo Menschen unter Zeitdruck ähnliche Dinge unterscheiden müssen: Varianten in Größe oder Farbe, Artikel mit fast gleicher Verpackung, benachbarte Lagerplätze oder Mengen, die beim Abzählen verrutschen.
Papierpicklisten oder ein Blick auf den Bildschirm helfen nur begrenzt. Sie sagen, was gegriffen werden soll, prüfen aber nicht, was tatsächlich gegriffen wurde. Genau diese Lücke schließt der Scan.
Wie verhindert ein Handscanner den falschen Artikel im Paket?
Das Prinzip ist einfach: Der Scanner kennt den Auftrag. Jeder Scan wird mit den offenen Positionen verglichen, und das Gerät meldet sich sofort, wenn etwas nicht passt. Bei der Lösung Lager mit Handscanner: Picken, Packen, Etikett von intellicon Commerce sieht das laut Produktseite so aus:
- Fehlerton und Vibration bei einem falschen Artikel oder wenn ein Stück zu viel gescannt wird.
- Packkontrolle per Scan: Beim Packen wird noch einmal geprüft, was ins Paket kommt.
- Abschluss erst bei Vollständigkeit: Das Paket lässt sich erst abschließen, wenn alles stimmt.
Damit entsteht eine doppelte Sicherung. Der erste Scan fängt Fehler am Regal ab, die Packkontrolle fängt ab, was dazwischen verrutscht ist. Der Mitarbeiter muss nichts mehr im Kopf abgleichen, sondern bekommt eine eindeutige Rückmeldung.
Wie läuft das Kommissionieren mit Scanner Schritt für Schritt ab?
Der typische Ablauf mit der App intelliMDE auf einem Android-Handscanner umfasst diese Schritte:
- Anmelden: Der Mitarbeiter meldet sich per Mitarbeiterausweis an, optional mit PIN.
- Picken: Für jede Auftragsposition wird der Artikel am Lagerplatz gescannt. Falsche Artikel oder Übermengen meldet das Gerät sofort.
- Packen: Beim Packen werden die Artikel erneut gescannt. Fehlt etwas oder ist etwas zu viel, lässt sich das Paket nicht abschließen.
- Gewicht eingeben und Etikett drucken: Das Versandetikett wird über den Versand-Connector erzeugt und über den Android-Druckdienst gedruckt.
- Sendungsnummer zurückmelden: Die Sendungsnummer steht danach am Auftrag, sodass Kundenservice und Büro sie direkt sehen.
Im Büro ist anschließend sichtbar, wer welchen Auftrag gepickt und gepackt hat. Das hilft bei Rückfragen, ohne dass jemand Listen abzeichnen muss.
Was passiert bei Funklöchern, Inventur und neuen Funktionen?
Offline im Hochregal
In vielen Lagern gibt es Ecken ohne stabiles WLAN. Laut Anbieter werden Scans ohne Verbindung gepuffert und später übertragen, ohne dass es zu Doppelzählungen kommt.
Inventur mit mehreren Geräten
Die Inventur lässt sich mit mehreren Scannern gleichzeitig durchführen, auch als Blindzählung, bei der der Zählende den Sollbestand nicht sieht. Differenzen werden zum Stichtag gebucht. Wichtig: Die Übertragung der Inventur ins ERP ist laut Produktseite noch nicht enthalten.
Einrichtung und Updates
Ein Scanner wird per QR-Code mit Commerce gekoppelt. Neue Funktionen kommen laut Anbieter aus Commerce, ohne dass die App auf jedem Gerät aktualisiert werden muss.
Welche Hardware wird benötigt?
Benötigt wird ein Android-Handscanner. Getestet ist laut Produktseite das Gerät Urovo DT50; andere Geräte sind nach Prüfung möglich. Wer bereits Scanner im Einsatz hat, sollte das Modell vor der Entscheidung prüfen lassen.
Für den Etikettendruck nutzt die App den Android-Druckdienst. Ob Ihr vorhandener Etikettendrucker darüber angesprochen werden kann, gehört deshalb ebenfalls auf die Prüfliste.
Was kostet ein Lager mit Handscanner?
Das Modul „Lager mit Scanner“ ist Teil von intellicon Commerce und setzt das Basissystem voraus. Die Preise laut Produktseite, netto zuzüglich Umsatzsteuer, Stand Oktober 2026:
| Anzahl Scanner | monatlich | einmalig |
|---|---|---|
| bis 5 | 149 € | 490 € Einrichtung |
| bis 20 | 289 € | 490 € Einrichtung |
| bis 50 | 499 € | 490 € Einrichtung |
Für den Etikettendruck wird zusätzlich ein Versand-Connector für den jeweiligen Carrier benötigt. Wie Shop, ERP und Versand insgesamt zusammenspielen, erklärt der Beitrag Shop, ERP und Versand automatisieren, ohne das ERP zu wechseln.
Worauf sollten Sie achten? Die ehrlichen Grenzen
Ein Scanner verhindert Pickfehler, ersetzt aber kein vollständiges Lagerverwaltungssystem. Folgende Punkte sind laut Produktseite noch nicht enthalten:
- Kein Sammelpick und keine Laufwegoptimierung: Aufträge werden also nicht in einem Rundgang gebündelt. Wer viele Kleinaufträge in einem Rundgang bündeln möchte, sollte das berücksichtigen.
- Keine Inventurübertragung ins ERP: Die Inventur läuft auf dem Scanner, die Übergabe der Ergebnisse an die Warenwirtschaft ist noch nicht Bestandteil.
- Gerätewahl: Getestet ist der Urovo DT50; andere Modelle nur nach Prüfung.
Wichtig ist außerdem eine saubere Datengrundlage. Der Scan funktioniert nur, wenn jeder Artikel einen eindeutigen Barcode trägt und dieser im System hinterlegt ist. Gerade bei Varianten lohnt es sich, das vor dem Start zu prüfen.
Nicht zu verwechseln ist intelliMDE mit der mobilen Datenerfassung für Sage 100 mit Fusion+ MDE. Dabei handelt es sich um eine Partnerlösung von Hiltop Consulting, die in Echtzeit über den Sage-Applikationsserver mit der Sage 100 arbeitet. Wer ausschließlich mit Sage 100 und dem eigenen Versandplatz arbeitet, findet im Beitrag Versandetiketten direkt aus der Sage 100 einen weiteren Weg.
Häufige Fragen zu Handscannern im Lager
Wie erkennt der Scanner einen falschen Artikel?
Der Scanner vergleicht jeden gescannten Barcode mit den offenen Positionen des Auftrags. Passt der Artikel nicht oder wird ein Stück zu viel gescannt, meldet das Gerät den Fehler per Ton oder Vibration.
Funktioniert der Scanner auch ohne WLAN?
Laut Anbieter werden Scans ohne Verbindung gepuffert und übertragen, sobald wieder Netz besteht. Doppelzählungen sollen dabei nicht entstehen.
Welches Gerät brauche ich?
Einen Android-Handscanner mit der App intelliMDE. Getestet ist der Urovo DT50; andere Geräte sind nach Prüfung möglich.
Unterstützt die Lösung Sammelpick oder Laufwegoptimierung?
Nein, beides ist laut Produktseite noch nicht enthalten. Auch die Übertragung von Inventurergebnissen ins ERP ist noch kein Bestandteil.
Wie geht es weiter?
Wenn Sie wissen möchten, ob ein Scanner-Lager zu Ihren Abläufen passt, finden Sie die Details auf der Seite Lager mit Handscanner und den Gesamtüberblick bei intellicon Commerce. Gerätefrage, Barcodes und Anbindung klären Sie am schnellsten in einer kostenlosen Erstberatung (30 Minuten).